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Wochenrückblick Rohkakaomarkt KW 5/2020

Die Kurse am Londoner Terminmarkt ICE haben sich in der vergangenen Handelswoche etwas verbilligt und bewegten sich darüber hinaus in einer Preisspanne von GBP 86,-- (London ICE, zweite Handelsposition: GBP 2.016,-- höchster Kurs, GBP 1.930,-- niedrigster Kurs).

Basierend auf dem durchschnittlichen Niveau der Schlusskurse beider Wochen (KW 4/2020: GBP 1.988,-- <> KW 5/2020: GBP 1.968,--) haben sich die Notierungen um 1,01 % abgeschwächt.

Auf der Währungsseite verliert der Euro gegenüber dem Brit. Pfund etwas an Boden. (0,8464 < > 0,8401).

Die Notierungen des Londoner Terminmarktes ICE haben sich im zurückliegenden Monat deutlich befestigt (+ 6,62 %) (ICE London, zweite Position: 31.01.2020: GBP 1.916,-- <> 31.12.2019: GBP 1.797,--, durchschnittliches Niveau des Monats). Kaufinteresse der Specs/Fonds dominierte das Handelsgeschehen in den letzten Wochen, die weltweit angestiegenen Vermahlungszahlen von Rohkakao im I. Quartal 2020 waren die fundamentale Basis hierfür. Grundsätzlich sind die Ankunftszahlen der Kakao-Haupternte in West Afrika sind stabil und geben vorerst keinen Anlass zu Sorge. Die Ratien für Kakaobutter und Kakaomasse zeigen keine neue Entwicklung, die stabilen Niveaus haben Bestand. Der Euro bleibt gegenüber dem Brit. Pfund mehr oder weniger stabil. (31.01.2020: 0,8401 <> 31.12.2019: 0,8455).

Der Eurokurs hat sich am Freitag im US-Handel auf hohem Niveau behauptet. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1084 Dollar. Damit peilt der Eurokurs wieder die zuletzt vor acht Tagen erreichte Marke von 1,11 Dollar an. Knapp unter dieser Schwelle notieren aktuell die 21- und die 50-Tage-Linien, die als charttechnische Indikatoren für den kurz- beziehungsweise mittelfristigen Trend gelten.Im frühen europäischen Geschäft war der Euro noch auf ein Tagestief von 1,1017 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1052 (Donnerstag: 1,1029) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9048 (0,9067) Euro. Die jüngsten Kursgewinne beim Euro begründeten Händler mit Neupositionierungen zum Monatsende. Schwache Konjunkturdaten aus der Eurozone hatten den Euro nur kurzzeitig belastet. So ist die Wirtschaft in der Eurozone im Herbst kaum noch gewachsen. In Frankreich und Italien schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal sogar."EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird das heute veröffentlichte Zahlenwerk nicht gefallen", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. Schließlich sei im Januar auch die Kerninflationsrate (ohne Energie und Lebensmittelpreise) auf nur noch 1,1 Prozent gesunken. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik sei möglich.

Und was war sonst noch wichtig in den Märkten für Agrarrohstoffe ?

Der Sojabohnenpreis fiel am Donnerstag auf 875 US-Cent je Scheffel, den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember. Nennenswert von diesem Niveau erholen konnte sich der Preis bislang nicht. Dabei zeigen aktuelle Zahlen der chinesischen Zollbehörde, dass China im Dezember deutlich mehr Sojabohnen in den USA gekauft hat. Demzufolge beliefen sich die Einfuhren aus den USA auf 3,09 Mio. Tonnen. Das waren 21% mehr als im Vormonat und die höchste Importmenge in einem Monat seit März 2018, also bevor der Handelskonflikt ausbrach. Bis zu den vor dem Handelskonflikt üblichen Mengen ist es aber noch ein weiter Weg. Im Dezember 2017 importierte China immerhin 6,2 Mio. Tonnen Sojabohnen aus den USA, im Dezember 2016 waren es sogar mehr als 8 Mio. Tonnen. In dem Mitte Januar unterzeichneten "Phase-1-Abkommen" hatte China zugesagt, deutlich mehr US-Agrarprodukte zu kaufen. Dabei sollten die Importe in diesem Jahr 12,5 Mrd. USD über dem Niveau von 2017 liegen. Bislang gibt es allerdings keine Anzeichen, dass die Käufe merklich zugenommen haben. Die am Donnerstag vom US-Landwirtschaftsministerium veröffentlichten US-Exportzahlen für Sojabohnen lagen mit 470 Tsd. Tonnen in der letzten Woche am unteren Ende der Erwartungen und zudem deutlich niedriger als in der Vorwoche. Die Frage wird zudem sein, inwieweit das Coronavirus die Agrarimporte Chinas beeinträchtigen wird. Wenn aufgrund der Abriegelung mehrerer Städte Millionen von Menschen zu Hause bleiben und nicht ins Restaurant gehen, sinkt auch der Bedarf an Fleisch und anderen Nahrungsmitteln. Von daher ist die jüngste Schwäche des Sojabohnenpreises begründet.

Der Preis für Kaffee Arabica steht weiter unter Druck und nähert sich der Marke von 100 US-Cent je Pfund. Zu Jahresbeginn notierte der Preis noch bei 130 US-Cent. Das resultierende Minus von mehr als 20% macht Kaffee zum bislang größten Verlierer unter den börsengehandelten Rohstoffen in diesem Jahr. Aus Brasilien dürfte in den kommenden Monaten deutlich mehr Angebot an den Markt kommen. Das brasilianische Kaffeeexportunternehmen Comexim rechnet für die bevorstehende Kaffeeernte mit einem Rekordergebnis von 67,7 Mio. Sack. Damit ist Comexim optimistischer als die brasilianische Agrarbehörde Conab. Diese sieht die Ernte in einer Spanne von 57,2 bis 62,0 Mio. Sack und damit nicht auf einem Rekordniveau. Comexim rechnete bislang wegen neuer Plantagen und der ausgiebigen Blüte sogar mit einer Ernte von mehr als 70 Mio. Sack. Späte Regenfälle nach hohen Temperaturen und nur unterdurchschnittlichen Niederschlägen im Oktober und November würden dies jedoch verhindern. Die bevorstehende Ernte in Brasilien ist die eines Hochertragsjahres im zweijährigen Erntezyklus. So erklärt sich auch die deutlich höhere Ernte als im Vorjahr. Diese lag nur bei 56,8 Mio. Sack. Für den weltweiten Kaffeemarkt prognostiziert Comexim 2020/21 einen Angebotsüberschuss von 3,5 Mio. Sack. Im laufenden Erntejahr soll der Kaffeemarkt nach den meisten Schätzungen noch ein geringes Defizit aufweisen.

In wichtigen Anbaustaaten der USA hat sich der Zustand der Winterweizenpflanzen über den letzten Monat verschlechtert. Im größten Weizenstaat Kansas, wo es noch immer zu trocken ist, sank der Anteil der mit gut oder sehr gut bewerteten Pflanzen um 6 Prozentpunkte auf 34%. Auch in Oklahoma und Colorado ging dieser Anteil zurück. In den nördlicheren Anbaugebieten wie den Dakotas und Montana sieht es dagegen besser aus, dort liegt der Anteil gut oder sehr gut bewerteter Pflanzen bei über 70%. Die Schäden durch Frost oder Wind werden bisher insgesamt als gering bezeichnet, wohl aber besteht die Gefahr von Schäden, wenn nach der milden Witterung ein Frosteinbruch die schlecht vorbereiteten Pflanzen treffen sollte. Das gleiche Risiko sieht die Prognoseeinheit MARS der EU-Kommission für Europa. In ihrem bereits am Montag veröffentlichten Monatsbericht weist sie darauf hin, dass die Periode seit Anfang Dezember in den nördlichen und östlichen Teilen Europas eine der wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn gewesen sei. Allerdings habe die milde Witterung den spät ausgebrachten Pflanzen bessere Entwicklungsmöglichkeiten geboten. Die anhaltende Trockenheit ist noch immer in vielen Teilen Europas ein Problem, vor allem Deutschland, Polen, Rumänien und Bulgarien seien betroffen. Derzeit sieht MARS für die nächste Zeit keine große Frostgefahr, wohl aber die Möglichkeit von Pflanzenkrankheiten, die nach einem milden Winter meist verstärkt auftreten. Mild und (zu) trocken ist die Witterung auch in Russlands wichtigen südlichen Anbaugebieten, wie der Wetterdienst Meteovesti meldet. Noch sei der Pflanzenzustand befriedigend, dies könne sich aber bei einem Frosteinbruch oder einem Regenmangel im Frühjahr ändern.

Die Preisnotierungen für die meisten Agrarprodukte bewegen sich zum Anfang der Woche im roten Bereich. Auf die Stimmung drückt vor allem die Unsicherheit über die Auswirkungen der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus und über die Umsetzung des "Phase-1-Abkommens" zwischen den USA und China. Solange offizielle chinesische Stellen bestätigen, dass der Virus nicht unter Kontrolle ist, dürfte an den Märkten die Aussicht auf eine Kaufzurückhaltung im bei vielen Produkten sehr bedeutenden Abnehmerland China die Preisentwicklung belasten. Wie lange es dauern wird, bis die ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in China wirken, ist derzeit völlig unsicher. Auch bei der Umsetzung des "Phase-1-Abkommens" bleibt es spannend. Noch fehlen Meldungen zu nennenswerten chinesischen Käufen in den USA. Dass China zuletzt Weizen in Australien, Kanada und Frankreich gekauft hat, um seine zugesagten Importquoten im Rahmen seiner WTO-Mitgliedschaft zu füllen, könnte vielmehr als kleine Provokation angesehen werden. Denn es waren die USA gewesen, die bei der WTO Beschwerde eingelegt hatten, weil China seine zugesagten Quoten nicht ausnutzte - und damit erfolgreich waren. Besonders groß war der gestrige Preisabschlag allerdings bei einem Produkt, das bei beiden Themen eher an der Seitenlinie steht: Kaffee Arabica gab um 3,2% auf 106,6 US-Cent je Pfund nach, weit entfernt von den rund 140 US-Cent je Pfund, auf die der Preis während einer Rally zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember gestiegen war. Größere Neuigkeiten gab es nicht. Offensichtlich rückt die Aussicht auf eine hohe brasilianische Kaffeeernte stärker ins Bewusstsein der Marktteilnehmer. Mitte des Monats hatte auch die meist in ihren Erwartungen recht vorsichtige Prognosebehörde Conab eine erste Prognose für 2020/21 abgegeben. Demnach wird der bisherige Rekord aus dem vorletzten Jahr wohl nur knapp verfehlt. Für die Arabica-Produktion geht Conab von einem Anstieg um bis zu 34% gegenüber dem recht schwachen Vorjahr aus.

Die Ausbreitung des Coronavirus in China sorgt auch an den Agrarmärkten für Unruhe. Denn es wird befürchtet, dass die Nachfrage leidet, wenn viele Chinesen den öffentlichen Raum möglichst meiden und Einkäufe, Restaurantbesuche und Festivitäten reduzieren. Erstmals seit den frühen Dezembertagen ist der Preis für Sojabohnen an der Börse in Chicago unter die Marke von 9 USD je Scheffel gefallen. Auch die Preise für Mais und Weizen liegen - wie schon Ende letzter Woche - im Minus. Zuvor waren diese deutlich gestiegen, was neben aufkeimenden Angebotssorgen wohl auch von Umschichtungen der kurzfristig orientierten Marktteilnehmer unterstützt wurde. Laut aktueller CFTC-Statistik erhöhten diese in der Woche zum 21. Januar ihre Netto-Long-Positionen bei Weizen um fast 50% auf den höchsten Stand seit Mitte 2018. Ihre Netto-Short-Positionen bei Mais reduzierten sie auf den niedrigsten Stand seit Oktober letzten Jahres. Bei Sojabohnen dagegen drehten sie ihre Netto-Long-Positionen in eine Netto-Short-Position, zeigten sich also überwiegend skeptisch für die weitere Preisentwicklung - trotz des inzwischen unterzeichneten US-Chinesischen Handelsabkommens. Kritisch wird vor allem gesehen, dass trotz der Versprechungen des Abkommens bisher keine nennenswerten zusätzlichen chinesischen Sojabohnenkäufe in den USA bekannt wurden. Im Gegensatz dazu drückten die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer ihre auf einen weiteren Preisanstieg ausgerichteten Erwartungen bei Rohzucker in kräftig steigenden Netto-Long-Positionen aus. Dies dürfte den Preisanstieg auf über 14,5 US-Cent je Pfund und damit das höchste Niveau seit zwei Jahren unterstützt haben. Zuvor waren sie bei Rohzucker bis in den Dezember hinein über rund 2,5 Jahre mit wenigen kurzen Ausnahmen netto-short positioniert gewesen.

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