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Wochenrückblick Rohkakaomarkt KW 6/2020

Die Kurse am Londoner Terminmarkt ICE haben sich in der vergangenen Handelswoche wieder befestigt und bewegten sich darüber hinaus in einer Preisspanne von GBP 138,-- (London ICE, zweite Handelsposition: GBP 2.074,-- höchster Kurs, GBP 1.936,-- niedrigster Kurs).

Basierend auf dem durchschnittlichen Niveau der Schlusskurse beider Wochen (KW 6/2020: GBP 1.999,-- <> KW 5/2020: GBP 1.968,--) haben sich die Notierungen um 1,58 % befestigt.

Auf der Währungsseite verliert der Euro gegenüber dem Brit. Pfund etwas an Boden. (0,8511 < > 0,8472).

Der Kurs des Euro hat am Freitag im späten US-Devisenhandel weiter nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung fiel auf den tiefsten Stand seit etwa vier Monaten. Sie stand den fünften Handelstag in Folge unter Verkaufsdruck und hat seit Montag etwa ein Prozent an Wert eingebüßt. Zuletzt notierte der Euro auf 1,0947 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,0969 (Donnerstag: 1,1003) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9117 (0,9088) Euro gekostet.

Zum Wochenschluss haben enttäuschende Konjunkturdaten aus dem Währungsraum belastet. Kennzahlen zur Industrieproduktion aus Deutschland, Frankreich und Spanien waren durchweg schwach ausgefallen. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft des Euroraums, gab es sogar einen Einbruch. Die Gesamtproduktion sackte im Dezember zum Vormonat um 3,5 Prozent ab. Das war der stärkste Rückgang seit Anfang 2009, als die Produktion infolge der Finanzkrise weggebrochen war. Der Dezember beende für die deutsche Industrie ein "Jahr zum Vergessen", kommentierte Carsten Brzeski, Chefökonom für Deutschland von der Bank ING.

Generell standen am Devisenmarkt im Verlauf der Woche globale Wachstumssorgen "wieder stärker im Zentrum", sagte Währungsstratege Lee Hardman von der japanischen Mitsubishi Financial Group. Davon profitierten Währungen wie der US-Dollar, der als sicherer Hafen gilt.

Zusätzlichen Auftrieb erhielt der Dollar am Nachmittag durch besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten, während der Euro im Gegenzug weiter belastet wurde. Im Januar waren in den USA 225 000 neue Jobs entstanden. Das ist deutlich mehr als Analysten erwartet hatten. "Die Job-Maschine in den USA läuft robust weiter", sagte Experte Bernd Krampen von der NordLB.

Und was war sonst noch wichtig in den Märkten für Agrarrohstoffe ?

Die Agrarmarktteilnehmer haben allerlei Grund zu Skepsis hinsichtlich der Umsetzung der Verpflichtungen Chinas aus dem "Phase-1-Abkommen" mit den USA. China hat sich bekanntlich verpflichtet, in den kommenden zwei Jahren Agrargüter aus den USA im Wert von 32-42 Mrd. USD mehr als im Referenzjahr 2017 zu importieren. 2017 hatte China US-Agrargüter im Wert von 24 Mrd. USD importiert. Nicht nur ist der Erfolg der Umsetzung schwer zu messen, weil entscheidende Details in Bezug auf die jeweiligen Produkte, Referenzniveaus, Zeiträume usw. fehlen, sondern die vereinbarten Mengen im Vergleich zu den jeweiligen Marktgrößen scheinen schlichtweg unrealistisch hoch. Auch deshalb hat das US-Agrarministerium gestern verkündet, dass man im oft beachteten Monatsbericht, der nächste Woche zur Veröffentlichung ansteht, die Folgen des Abkommens aufgrund fehlender Detailinformationen vorerst nicht berücksichtigen kann. Warum das Abkommen überhaupt nötig ist, wenn wie von chinesischer Seite betont die Käufe zu Marktkonditionen erfolgen sollen, ist außerdem mehr als fraglich. Und nun kommen noch zusätzliche Zweifel wegen der Folgen des Coronavirus und der üppigen Ernte in Südamerika auf. Nicht überraschend ist also die jüngste negative Reaktion bei Getreide und Sojabohnen, die eigentlich überproportional von zusätzlichen chinesischen Käufen profitieren sollten. So notieren die Sojabohnenpreise rund 5% tiefer als Mitte Januar, als das Handelsabkommen unterschrieben wurde. Zusätzlichen Preisdruck erhalten die US-Agrarprodukte durch die bevorstehende Ernte in Südamerika und den starken US-Dollar, der den Effekt der teilweisen Rücknahme der Importzölle auf US-Produkte seitens China schon wieder kompensiert.

Die USA würden Verständnis dafür aufbringen, falls China wegen der schnellen Ausbreitung des Coronavirus seine Käufe von US-Agrarprodukten nicht so stark ausweiten kann wie im Handelsabkommen verabredet. In dieser Richtung äußerte sich nun auch US-Landwirtschaftsminister Perdue. Er stieß damit ins gleiche Horn wie Wirtschaftsberater Kudlow am Vortag. Damit hat sich ein potenzieller Konflikt spürbar entschärft, da China bislang bei weitem nicht die Mengen an US-Agrarprodukten gekauft hat, die es laut der Vereinbarung mit den USA eigentlich müsste (siehe auch TagesInfo Rohstoffe von gestern). Allerdings soll im "Phase-1-Abkommen" auch eine Klausel enthalten sein, die China im Falle von Naturkatastrophen oder unvorhergesehenen Ereignissen erlaubt, die Umsetzung der eingegangenen Verpflichtungen zu verschieben. Die Äußerungen von Perdue und Kudlow scheinen also auch vor diesem Hintergrund erfolgt zu sein. China ist offensichtlich weiterhin an einer Verbesserung der Handelsbeziehungen zu den USA interessiert. So hat das chinesische Finanzministerium heute angekündigt, zum 14. Februar einige Zölle auf US-Güter halbieren zu wollen. Dies soll insgesamt 1.717 Güter betreffen, deren Zölle zum 1. September letzten Jahres um 5-10% erhöht worden waren. Der Importzoll für US-Sojabohnen sinkt damit von 30% auf 27,5%. Auch wenn dies nur ein symbolischer Schritt ist und weitere Zollsenkungen von den bilateralen Entwicklungen abhängig gemacht werden, sorgt dies heute für positive Stimmung an den Märkten. China dürfte damit möglicherweise aber auch versuchen, den Druck auf die heimische Wirtschaft infolge des Coronavirus zu verringern.

China kauft weiterhin Sojabohnen. Diese Nachricht stützte gestern den Sojabohnenpreis in Chicago. Denn damit verliert die Sorge an Gewicht, dass das Land wegen der Ausbreitung des Coronavirus und damit verbundener Unterbrechungen der Verarbeitungs- und Lieferketten vorerst keine Käufe tätigt oder gar bestellte Ware mit Verweis auf höhere Gewalt nicht abnimmt. Wermutstropfen der jüngsten Käufe ist allerdings, dass China diese – die Rede ist von 10 Schiffsladungen – in Südamerika tätigte. Damit bleibt weiter unklar, ob, wann und wie China seine im "Phase-1-Abkommen" mit den USA gemachten Zusagen umsetzt. China hat sich darin unter anderem verpflichtet, 2020 und 2021 zusätzliche US-Agrargüter im Wert von 32 Mrd. USD im Vergleich zum Basisjahr 2017 abzunehmen (darunter 2020 12,5 Mrd. USD). Damals hatten die Agrarimporte aus den USA einen Wert von 24 Mrd. USD, über die Hälfte davon waren Sojabohnen. Die Enttäuschung darüber, dass weder nach der Einigung noch nach der Unterzeichnung des Abkommens größere Sojabohnenkäufe Chinas in den USA bekannt wurden, lastet schon seit Jahresbeginn auf dem Sojabohnenpreis. Zum Jahreswechsel hatten Sojabohnen bei 955 US-Cent je Scheffel ein 1½-Jahreshoch markiert, aktuell handeln sie nur noch bei 880 US-Cent je Scheffel. Das Coronavirus führte zuletzt zu weiteren Abwärtskorrekturen. Die jüngsten chinesischen Bestellungen sind zur Auslieferung im Frühjahr vorgesehen, einer Zeit, in der traditionell China die neue südamerikanische Ernte abnimmt. Wegen des Handelsstreits mit den USA hatte China im letzten Jahr aber auch im Winter, in dem klassisch US-Lieferungen stattfinden, vorranging Ware aus Brasilien importiert. Die USA scheinen die Kaufzurückhaltung Chinas noch gelassen zu sehen. Trumps Wirtschaftsberater Kudlow hat gestern verlauten lassen, dass wegen des Coronavirus mit Verzögerungen bei den chinesischen Käufen zu rechnen ist.

Die Russische Getreideunion meldet für Russland eine rekordhohe Winterweizenfläche und erwartet eine ebenso große Sommerweizenfläche wie im Vorjahr. Bei durchschnittlichen Erträgen könnte die gesamte Weizenernte des Landes 2020/21 daher 79,5 Mio. Tonnen betragen, 7% mehr als zuletzt und wäre dann die zweitgrößte Ernte aller Zeiten. Der EU erwächst damit wieder eine stärkere Konkurrenz von dort, wobei dies natürlich nicht nur von der verfügbaren Menge, sondern auch von der preislichen Wettbewerbsfähigkeit abhängt. In der aktuellen Saison jedenfalls laufen die EU-Weichweizenexporte deutlich besser als im schwachen Vorjahr. Seit Saisonbeginn im vergangenen Juli bis Anfang Februar betrugen sie 16,4 Mio. Tonnen. Damit liegen sie im Vergleich zur Vorjahresperiode 65% im Plus und sind auch höher als in den beiden Jahren zuvor. Die Hauptexporteure der EU sind Frankreich, Rumänien und Deutschland. In Frankreich wurde im Januar sogar trotz der Streiks der Hafenarbeiter so viel Weizen verladen wie zuletzt vor sechs Jahren. Bereits im Dezember hatten die Exporte auf einem 6-Jahreshoch gelegen. Dagegen führte Russland zwischen Saisonbeginn in Juli 2019 und Ende Januar mit 23,5 Mio. Tonnen 13% weniger Weizen aus als 2018/19.

Die Handels- und Beratungsfirma INTL FCStone schätzt die Zuckerproduktion im brasilianischen Hauptanbaugebiet Center-South in der im April startenden Saison 2020/21 auf 29,4 Mio. Tonnen und damit 11% höher als in der nun zu Ende gehenden Verarbeitungssaison. Die gestiegenen Preise machen die Zuckerproduktion in Brasilien etwas attraktiver, so dass der Anteil des Zuckerrohrs, der der Zuckerproduktion zugeführt wird, um 4 Prozentpunkte auf 38% steigen soll. Die insgesamt zu Zucker oder Ethanol verarbeitete Zuckerrohrmenge dürfte mit knapp 600 Mio. Tonnen etwa gleich hoch wie zuletzt sein. In der noch laufenden Saison 2019/20 erwartet FC Stone ein globales Defizit in Höhe von 7,7 Mio. Tonnen und liegt damit leicht über der Internationalen Zuckerorganisation mit 6 Mio. Tonnen und dem Durchschnitt der Teilnehmer einer aktuellen Reuters-Umfrage mit 6,7 Mio. Tonnen.

Seit Mitte Januar pendelt der Rohzuckerpreis um die Marke von 14,5 US-Cent je Pfund. Zucker ist damit so teuer wie zuletzt im Januar 2018. Im letzten Herbst hatte der Preis noch unter 11 US-Cent je Pfund gelegen. Hintergrund des Preisanstiegs war vor allem die sich konkretisierende Aussicht auf ein Ende der Überschussphase am globalen Zuckermarkt. Für 2019/20 erwartet die Internationale Zuckerorganisation ISO ein Defizit von rund 6 Mio. Tonnen. Zudem prognostiziert sie auch für 2020/21 ein Defizit, setzt dieses zunächst mit 3,5 Mio. Tonnen aber niedriger an. Wegen der unbefriedigenden Zuckerpreisentwicklung wurde in Brasilien in den letzten Jahren der Anteil des Zuckerrohrs, der in die Verarbeitung zu Ethanol ging, stark erhöht. Er liegt in der laufenden Verarbeitungsperiode mit 65,5% nochmals marginal über Vorjahr. Erst bei Zuckerpreisen über 15 US-Cent je Pfund dürfte sich laut ISO daran etwas ändern. In der inzwischen quasi abgeschlossenen Verarbeitungssaison stagniert die Zuckerproduktion im Hauptanbaugebiet Center-South daher trotz einer etwas höheren Zuckerrohrmenge auf dem niedrigen Vorjahresniveau von unter 27 Mio. Tonnen. In Indien kann 2019/20 nach zwei sehr guten Jahren sogar von einem Einbruch gesprochen werden: Die Handelsvereinigung AISTA geht von einem Rückgang um 17% auf 27,4 Mio. Tonnen aus. Für den bisherigen Saisonverlauf seit Oktober spricht die Indische Zuckermühlenvereinigung ISMA sogar von einem Minus von 26%. In Thailand dürfte die Zuckerproduktion ein 9-Jahrestief markieren und in der EU nahe des schwachen Vorjahresniveaus bleiben. Gründe für höhere Preise gibt es also genug, auch wenn auf der Nachfrageseite das schleppende globale Konsumwachstum preisdämpfend wirkt. Es überrascht aber dennoch, dass sich Rohzucker derzeit dem negativen Einfluss der stark gesunkenen Ölpreise komplett entziehen kann. Die Erwartung steigender Preise scheint fest verankert, und die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer haben ihre Netto-Long-Positionen auf den höchsten Stand seit 3 Jahren ausgebaut.

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