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Wochenrückblick Rohkakaomarkt KW 12/2020

Die Kurse am Londoner Terminmarkt ICE haben sich in der vergangenen Handelswoche wieder signifikant abgeschwächt und bewegten sich darüber hinaus in einer Preisspanne von GBP 85,-- (London ICE, zweite Handelsposition: GBP 1.850,-- höchster Kurs, GBP 1.765,-- niedrigster Kurs).

Basierend auf dem durchschnittlichen Niveau der Schlusskurse beider Wochen (KW 12/2020: GBP 1.850,-- <> KW 11/2020: GBP 1.856,--) haben sich die Notierungen um 2,32 % abgeschwächt.

Auf der Währungsseite kann der Euro gegenüber dem Brit. Pfund deutlich zulegen. (0,9111 < > 0,9477).

Der Eurokurs ist am Freitag im US-Handel unter die Marke von 1,07 US-Dollar gerutscht, nachdem er im europäischen Geschäft darüber notiert hatte. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,0656 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,0707 (Donnerstag: 1,0801) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9340 (0,9258) Euro gekostet.

Im asiatischen Handel hatte der Euro mit 1,0653 Dollar zwischenzeitlich so wenig wie letztmalig vor etwa drei Jahren gekostet. Die tendenzielle Erholung am Freitag, die zeitweise über 1,08 Dollar geführt hatte, erklärten Marktteilnehmer mit der besseren Stimmung an den Börsen. Die Donnerstagnacht verkündeten Notfallmaßnahmen der EZB wirkten auch am Freitag noch positiv nach. Der US-Dollar war vor diesem Hintergrund als Hort der Sicherheit weniger stark gefragt. Er gab zu vielen Währungen nach, so auch zum Euro.

Belastet wird der Dollar zudem durch die Befürchtung einer schweren Rezession in den USA. Am Donnerstag hatten bereits amerikanische Arbeitsmarktdaten erste Risse offenbart. Die Fachleute von der US-Bank Goldman Sachs rechnen mit einem sehr schnellen und starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Ökonomen kalkulieren in der kommenden Woche mit rund 750 000 wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe - das wäre ein massiver Anstieg. Am Markt wurde auch auf die Ausgangssperre im großen US-Staat Kalifornien verwiesen, die das Ausmaß der Virus-Krise spiegele.

Andere Währungen konnten gegenüber dem Dollar ebenfalls zulegen. Dazu gehörte das britische Pfund, das unlängst auf einen 35-jährigen Tiefstand zum Dollar gefallen war. Daneben stiegen etwa der australische Dollar und der südkoreanische Won. Am Markt wurde auf Dollar-Kreditlinien zwischen der US-Notenbank Fed und den dortigen Zentralbanken verwiesen, die die Dollar-Liquidität erhöhen und die entsprechenden Währungen stützen.

Ferner gehen auch die großen Notenbanken der Welt in der Virus-Krise noch intensiver gegen die derzeitige Dollar-Knappheit vor. Unter Federführung der US-Notenbank werden nun bestehende Leihgeschäfte in US-Dollar häufiger durchgeführt.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,91028 (0,92985) britische Pfund, 118,37 (118,63) japanische Yen und 1,0546 (1,0535) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 1492 Dollar gehandelt. Das waren rund 21 Dollar mehr als am Vortag.

Und was war sonst noch wichtig in den Märkten für Agrarrohstoffe ?

Nachdem im Zuge der Coronavirus-Krise zunächst Nachfragesorgen die Stimmung trübten, rückt inzwischen die Sorge in den Vordergrund, die Produktions- und Vertriebsketten könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Grenzschließungen oder nur beschränkte und mit langen Wartezeiten verbundene Durchfahrtsgenehmigungen sind inzwischen an vielen Grenzen, nicht zuletzt bei rund der Hälfte der EU-Länder, in Kraft. Davon betroffen sind auch landwirtschaftliche Güter, Produkte des Ernährungsgewerbes, aber auch Verpackungsmaterial. Vertreter europäischer Landwirtschafts- und Industrieverbände sandten gestern einen Appell an die EU-Institutionen, die versprochenen gesonderten Abfertigungsspuren für LKW mit für die Lebensmittelversorgung wichtigen Gütern überall zügig funktionsfähig zu machen. Auch geben sie ihrer Sorge vor einer Knappheit an Arbeitskräften wie bspw. Erntehelfern Ausdruck und fordern die EU-Institutionen auf, Notfallpläne vorzubereiten.

Seit Tagen steigen die Weizenpreise dies- und jenseits des Atlantiks. Noch ist der Handelstag nicht beendet, doch es zeichnet sich an der CBOT der höchste Wochengewinn seit Mitte letzten Jahres ab. Gestern legte der Preis dort um gut 5% auf 535 US-Cent je Scheffel zu. In Paris kostet Weizen wieder 190 EUR je Tonne. Die Überlegung, dass in den von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Gebieten die Nachfrage nach Getreideprodukten wie Mehl und Nudeln steigt, ist aktuell auf Verbraucherebene in den Läden sichtbar – Berichten zufolge auch auf der anderen Seite der Erde, in Australien. Ob dies dauerhaft ist und ob dieser Effekt tatsächlich zu einer Ausweitung der Kapazitäten oder deren Auslastung bei den verarbeitenden Betrieben führt, ist unklar. Möglich ist auch, dass diese ihre bereits zuvor kontrahierten Lieferungen an den Handel lediglich zeitlich vorziehen, solange Produktion und Vertrieb ohne große Einschränkungen laufen können.

Auch am Baumwollmarkt herrscht Ausverkaufsstimmung. Mitte Januar notierte Baumwolle in New York noch bei über 71 US-Cent je Pfund auf einem 10-Monatshoch, Mitte Februar immerhin noch bei 69 US-Cent – seither ist sie auf nur noch 56 US-Cent gefallen und damit den niedrigsten Stand seit 2009. Die Aussicht auf eine massive Eintrübung der (Welt-)Konjunktur durch die Coronakrise lässt auch eine länger anhaltende Schwäche in der Textilindustrie erwarten. Deren Nachfrage dürfte wegen der Unterbrechung der Lieferketten und des Lockdown in zahlreichen Ländern bereits stark zurückgehen. Chemische Fasern, die mit Baumwolle konkurrieren, werden durch den Verfall der Ölpreise zudem günstiger, der stärkere US-Dollar drückt zusätzlich auf die US-Baumwollpreise.

Der US-Maispreis sank gestern zwischenzeitlich auf ein 3-Jahrestief von gut 330 US-Cent je Scheffel. Dass der Preis im Monat März auf einem solch niedrigen Niveau notierte, war zuletzt vor 14 Jahren der Fall. Seit Jahresbeginn hat sich Mais um 14% verbilligt. Am Morgen kann der Preis etwas zulegen. Die Erholung der Ölpreise gibt Unterstützung. Denn bei höheren Ölpreisen wird Ethanol als Kraftstoff attraktiver, der in den USA zu großen Teilen aus Mais hergestellt wird. Knapp 40% des Maisverbrauchs in den USA geht auf das Konto der Ethanolindustrie. Viele ausländische Kunden halten sich mit Käufen von US-Mais derzeit aber zurück. Insbesondere Importeure aus ölfördernden Regionen zeigen sich vorsichtig und greifen trotz der gefallenen Preise nur bei kleineren Mengen zu.

Kaffee der Sorte Arabica verteuerte sich dagegen gestern um 5% auf gut 108 US-Cent je Pfund. Ein starker Abbau der Börsen-Bestände, die Diskussion um mögliche Verzögerungen bei der Verladung von Ware in Brasiliens Häfen, und eine gestiegene Nachfrage des Einzelhandels nach Kaffee wurden von Händlern als Gründe genannt. Dennoch: Vom Jahresstartniveau bei rund 130 US-Cent je Pfund ist Arabica auch jetzt noch weit entfernt, wozu neben dem generellen Marktumfeld vor allem die Aussicht auf eine sehr hohe Ernte in Brasilien und der schwache Brasilianische Real beitragen.

Die Meldung des US-Landwirtschaftsministeriums USDA, wonach für die laufende Saison nur noch eine Schiffsladung Sojabohnen zur Abfertigung nach China aussteht, hat am Sojabohnenmarkt wenig überrascht. Von den großen Bestellungen, die im Rahmen des „Phase-1-Abkommens“ zwischen den USA und China verabredet wurden, ist keine Spur zu sehen. In der vergangenen Woche waren überhaupt keine Sojabohnen nach China verschifft worden, so dass China erstmals seit Ende 2018 in der Exportstatistik des USDA nicht auftauchte. Dabei werden die Lagerbestände an Sojabohnen in China derzeit auf dem niedrigsten Stand seit mindestens einem Jahrzehnt vermutet. Dies legen die Daten des chinesischen Industrieinformationsdienstes Cofeed nahe, die von Reuters zitiert werden. Derweil läuft in Brasilien die absehbar rekordhohe Sojabohnenernte 2019/20, unterstützt durch inzwischen gute Witterung. Auch dies drückt auf die Notierungen von Sojabohnen in den USA, zumal dem konkurrierenden Land anders als den USA bereits Bestellungen Chinas über hohe Mengen vorliegen. Die deutliche Abwertung des Brasilianischen Real macht Sojabohnen aus Brasilien für Käufer aus China zusätzlich attraktiv. Der Vorsitzende der Exportvereinigung Anec gibt sich demonstrativ zuversichtlich, dass das Coronavirus, das auch in Brasilien festgestellt wurde, die Exporte nicht beeinträchtigen wird. In der Coronavirus-Krise ist der US-Dollar derzeit gefragt und notiert stärker: Auch dies ist ein Punkt, der die Erwartungen an die Nachfrage nach US-Sojabohnen aus dem Ausland sinken lässt. Hinzu kommt, dass der Ölpreisverfall auf die Märkte für Pflanzenöle durchschlägt, mit dem sie über die Märkte für Biotreibstoffe verbunden sind. Der Sojaölpreis sank in diesem Zuge auf den niedrigsten Stand seit 2006, was für das Ausgangsprodukt Sojabohnen nicht folgenlos blieb. Am Montag fiel er zwischenzeitlich auf das niedrigste Niveau seit 10 Monaten – 14% unter Jahreseinstand. Zuletzt allerdings zog der Sojaölpreis an, weil in Malaysia, dem zweitgrößten Produzentenland für Palmöl wegen der Coronavirus-Krise die Arbeit auf den Plantagen für zunächst zwei Wochen unterbrochen wird. Dies gab auch dem Sojabohnenpreis am Mittwochmorgen Auftrieb.

Der Zuckerhändler Czarnikow erwartet, dass sich in den stark von der Verbreitung des Coronavirus betroffenen Ländern wie China, Südkorea, Italien und Deutschland, der Zuckerkonsum in diesem Jahr um rund 5% verringert. Hintergrund sind die Beschränkungen im öffentlichen Leben. Dies veranlasst Czarnikow dazu, die Prognose für die globale Zuckernachfrage 2020 um 2 Mio. Tonnen zu reduzieren. Damit wird für die Saison 2019/20 nicht mehr ein Zuwachs um 1%, sondern eine Stagnation des Verbrauchs erwartet. Trotzdem geht Czarnikow für 2019/20 weiterhin von einem Defizit am globalen Zuckermarkt aus. Es wird auf stolze 10 Mio. Tonnen geschätzt. 2020/21 soll es aber zu keinem weiteren Defizit kommen. Die Aussicht auf eine schwächere Nachfrage drückt auf die Zuckerpreise. Auch der Ölpreisverfall zieht die Zuckerpreise weiter stark in Mitleidenschaft. Gestern ging es für den Rohzuckerpreis an der Börse New York im Kontrakt mit Fälligkeit Mai nochmals 5% nach unten. Er fiel auf ein 6-Monatstief und schloss bei wenig über 11 US-Cent je Pfund.

Die prognostizierte Nachfrageschwäche trifft auch andere Märkte. So äußern sich am Kaffeemarkt viele Beobachter skeptisch, dass ein verstärkter Konsum in den eigenen vier Wänden den Ausfall im Außer-Haus-Verzehr auch nur annähernd auffangen kann. Der Preis für Kaffee Arabica gab gestern um 2,7% auf 104 US-Cent je Pfund nach. Noch stärker ging es für den Kakaopreis bergab. Er schloss 3,8% tiefer als am Freitag bei 2.331 USD je Tonne, nachdem er zwischenzeitlich auf ein 6-Monatstief gefallen war. Hier macht sich allerdings auch die verbesserte Witterung mit überdurchschnittlichen Regenfällen und sonnigen Abschnitten in der Elfenbeinküste, dem mit Abstand größten Kakaoproduzenten, bemerkbar. Schon in der Vorwoche hatte Regen in vielen Gebieten, die hart von der Trockenzeit zu Jahresbeginn getroffen worden waren, für Entlastung gesorgt. Die Wetterbesserung erhöht die Erwartungen an die bevorstehende Zwischenernte.

Der Ölpreisverfall lässt auch den Zuckerpreis taumeln. Seit dem 21. Februar sackte er um 23% auf aktuell 11,7 US-Cent je Pfund ab. Selbst im Herbst 2016, als der Zuckerpreis kurzfristig ebenso stark fiel - damals vom höchsten Stand seit Jahrzehnten aus -, hatte dies zwei Monate gedauert, nun waren es gerade mal drei Wochen. Der Preiskrieg am Ölmarkt drückt auch auf den Preis von Ethanol. Insbesondere in Brasilien ist wegen der großen Flotte an Flex-Fuel-Fahrzeugen die Substitution von Benzin durch Ethanol auf der Nachfrageseite recht leicht. Nun wird erwartet, dass die brasilianischen Verarbeiter auf der Angebotsseite künftig einen höheren Anteil des Zuckerrohrs zu Zucker statt zu Ethanol verarbeiten werden - über das bereits in den letzten Monaten erwartete Maß hinaus. Diese Aussicht drückt auf den Preis für Rohzucker. Hinzu kommt der Absturz des Brasilianischen Real auf ein Allzeittief, was den Export von Zucker aus Brasilien attraktiver macht.

In seiner ersten Ernteschätzung für Deutschland warnt der Deutsche Raiffeisenverband, dass aufgrund des fehlenden Frosts die Gefahr von Schäden durch Schädlingsbefall steige. Auch hätten die starken Niederschläge nicht nur die Winteraussaat behindert, so dass viele Flächen nicht bestellt werden konnten, sondern sorgten nun gleichfalls für Verzögerungen bei der anlaufenden Frühjahrsaussaat. Der DRV rechnet dennoch damit, dass nun mehr Sommergetreide ausgesät wird, wenn die Witterung der nächsten Wochen dies zulässt. Die gesamte deutsche Getreideernte 2020/21 erwartet der DRV bei 45 Mio. Tonnen, 1,9% über Vorjahr. Die Weizenernte allerdings soll wegen der deutlich niedrigeren Winterweizenfläche (-7%) und -produktion (-1,8%) um gut 1% gegenüber Vorjahr fallen. Raps wurde dagegen auf einer größeren Fläche angebaut (+12%), was gemeinsam mit höheren Erträgen zu einem Plus bei der Rapsernte von 22% auf 3,4 Mio. Tonnen führen soll. 2019 war die deutsche Rapsernte wegen der Trockenheit und einer um 30% kleineren Fläche allerdings extrem schlecht gewesen. In den fünf Jahren zuvor waren in Deutschland im Durchschnitt 4,7 Mio. Tonnen Raps geerntet worden.

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