Image

Wochenrückblick Rohkakaomarkt KW 20/2020

Die Kurse am Londoner Terminmarkt ICE blieben in der vergangenen Handelswoche trotz hoher Volatilität stabil  und bewegten sich darüber hinaus in einer Preisspanne von GBP 168,-- (London ICE, zweite Handelsposition: GBP 1.991,-- höchster Kurs, GBP 1.823-- niedrigster Kurs).

Basierend auf dem durchschnittlichen Niveau der Schlusskurse beider Wochen (KW 20/2020: GBP 1.916,-- <> KW 19/2020: GBP 1.915,--) haben sich die Notierungen um 0,05 % marginal befestigt.

Auf der Währungsseite kann der Euro gegenüber dem Brit. Pfund in dieser Woche durchschnittlich im Vergleich zur Vorwoche deutlich zulegen. (0,8765 < > 0,8925).

Der Euro hat sich am Freitag nach den Kursverlusten seit der Wochenmitte zunächst stabil gehalten. Am Morgen blieb die Gemeinschaftswährung knapp über der Marke von 1,08 US-Dollar. Sie wurde damit nahezu zum gleichen Kurs wie am Vorabend gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstagnachmittag auf 1,0792 (Mittwoch: 1,0875) Dollar festgesetzt.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hat eine breitangelegte Dollar-Stärke zuletzt etwas an Kraft verloren und den Euro im Gegenzug gestützt. In den vergangenen Handelstagen hatte die Sorge vor wieder steigenden Infektionszahlen in der Corona-Pandemie die Anleger verstärkt in sichere Anlagehäfen getrieben, zu denen auch der amerikanische Dollar zählt.

Am Morgen zeigte sich aber wieder etwas mehr Zuversicht am Devisenmarkt nach Hinweisen auf eine Erholung in der chinesischen Wirtschaft. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ist die Industrieproduktion im April wieder gestiegen. Im weiteren Handelsverlauf bleiben Konjunkturdaten im Fokus. Auf dem Programm steht unter anderem die erste Schätzung der deutschen Wirtschaftsleistung im ersten Quartal. Wegen der Folgen der Corona-Krise wird mit einem starken Einbruch gerechnet.

Im europäischen Geschäft hatte der Euro vor allem durch den auf breiter Front schwächelnden US-Dollar Auftrieb erhalten. Der US-Währung setzten extrem schwache Konjunkturdaten zu. Im April brachen sowohl die Umsätze der Einzelhändler als auch die Produktion der Industrie in beispiellosem Tempo ein. Die Entwicklung ist Folge der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Schnelle Besserung ist laut Volkswirten nicht in Sicht. Vielmehr wird eine überwiegend träge Erholung erwartet.

Und was war sonst noch wichtig in den Märkten für Agrarrohstoffe ?

Die chinesische Importnachfrage nach Baumwolle dürfte sich nach Ansicht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA 2020/21 auf das Niveau von vor der Coronakrise erholen. Auch andere Länder wie Pakistan und Bangladesch sollen wieder mehr importieren. Davon dürften die USA profitieren, nachdem die Coronakrise und die eingeschränkten Handelsbeziehungen zu China in der laufenden Saison dämpfend auf die Exporte wirkten. Für alle wichtigen Anbauländer prognostiziert das USDA 2020/21 einen Rückgang der Produktion gegenüber Vorjahr, wenn auch meist moderat. In den USA etwa sollen nach 19,9 Mio. Ballen 2019/20 nun 19,5 Mio. Ballen produziert werden. Das kleine Minus resultiert dabei aus einem etwas höheren Anteil der vor der Ernte aufgegebenen Fläche, der letztes Jahr leicht unterdurchschnittlich war. Etwas stärker prognostiziert das USDA die Ernterückgänge in China und Brasilien mit je 1 Mio. Ballen und in Indien mit 2 Mio. Ballen. Die Weltproduktion soll daher leicht unter Vorjahr liegen. Die Nachfrage dagegen dürfte sich erholen, wenn auch das Vorkrisenniveau noch nicht ganz erreichen. Dies führt dazu, dass der globale Überschuss von rund 17 Mio. Ballen aus 2019/20 in der nächsten Saison auf nur rund 2 Mio. Ballen zusammenschrumpft, ohne China auf 4,4 Mio. Ballen. Die Aufstockung der Reserven außerhalb Chinas setzt sich somit fort. Allerdings fällt das globale Lager-Verbrauchs-Verhältnis, weil die Nachfrage zulegt. In der letzten Berichtswoche lagen die US-Baumwollexporte zwar unter der Vorwoche, aber 50% über dem Durchschnitt der vier Wochen zuvor. Die Hoffnung auf eine anziehende Nachfrage im Rahmen einer weltwirtschaftlichen Erholung nach der Coronakrise hat dem Baumwollpreis bereits in den letzten Wochen Auftrieb gegeben. Anfang April war er unter 50 US-Cent je Pfund gerutscht und hatte ein 12-Jahrestief markiert. Inzwischen konnte er um rund 20% zulegen.

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA prognostiziert in seiner ersten umfassenden Schätzung für die kommende Saison 2020/21 einen Anstieg der weltweiten Bestände an Mais um 25 Mio. Tonnen, außerhalb Chinas sogar um 33 Mio. Tonnen. Fast der gesamte Bestandsaufbau soll in den USA erfolgen, was die dortigen Vorräte um fast 60% auf das höchste Niveau seit 1987/88 anschwellen ließe. Zwar erwartet das USDA eine (Teil-)Erholung der Nachfrage nach US-Mais von Seiten der durch den Ölpreiseinbruch gebeutelten Ethanolindustrie und auch eine Belebung der in der aktuellen Saison schwachen Exporte. Die US-Maisernte soll aber sehr viel stärker steigen. Dabei setzt das USDA die 97 Mio. Morgen als Anbaufläche an, die die US-Landwirte im März in Umfragen angaben, mit Mais bebauen zu wollen. Hinzu kommt die Annahme guter Erträge, wie sie sich aus dem wetterangepassten Trendmodell des USDA ergeben. Die Ernte wird so auf rekordhohe 406 Mio. Tonnen geschätzt, was einem Anstieg um 17% gegenüber dem allerdings schwachen Vorjahr bedeuten würde. Der Internationale Getreiderat IGC setzt derzeit 389 Mio. Tonnen an. Diese Diskrepanz erklärt zu einem großen Teil, warum das USDA einen Überschuss am globalen Maismarkt prognostiziert, der IGC Ende April dagegen ein Defizit in Höhe von 16 Mio. Tonnen. Dieses dreht sich erst in einen Überschuss von 9 Mio. Tonnen, wenn China bei der Betrachtung außen vor gelassen wird. Laut IGC sollen die Maisbestände in den USA "nur" um 13 Mio. Tonnen steigen. Das USDA erwartet dagegen einen Lageraufbau um stattliche 31 Mio. Tonnen. Angesichts dieser USDA-Prognose hält sich der Maispreis erstaunlich gut. Nach Veröffentlichung machte er sogar den Rückgang zu Tagesbeginn wieder wett. Allerdings war er zuvor bereits auf das niedrigste Niveau seit fast 11 Jahren gefallen. Selbst wenn die US-Landwirte wegen der schlechten Preisentwicklung eine etwas kleinere Fläche mit Mais bebauen als sie es im März vorhatten: Mais dürfte 2020/21 sehr reichlich verfügbar sein. Woher der Maispreis nun Auftrieb bekommen soll, ist somit noch unklarer als vorher.

Am Dienstag veröffentlicht das USDA seinen neuen Monatsbericht zu Angebot und Nachfrage auf wichtigen Agrarmärkten. Es ist der meistbeachtete Bericht des Jahres, denn immer im Mai nimmt das USDA die nächste Saison, in diesem Fall 2020/21, erstmals in seine Prognosen auf. Von Reuters befragte Analysten rechnen im Durchschnitt damit, dass die aktuell schleppende Nachfrage nach Mais dazu führen dürfte, dass die US-Bestände bereits zum Ende der laufenden Saison höher sind als bisher erwartet. Von diesem höheren Niveau aus sollen sie über die kommende Saison hinweg dann sogar um 50% auf 86 Mio. Tonnen anschwellen. Auch bei globaler Betrachtung rechnen die Befragten mit steigenden Beständen, das Plus wird durchschnittlich auf 14 Mio. Tonnen geschätzt – allerdings bei einer sehr hohen Spannweite. Dies wäre eine ganz andere Prognose als die des Internationalen Getreiderats IGC, der mit einem Rückgang der Weltmaisbestände um 16 Mio. Tonnen rechnet (ohne China allerdings ebenfalls ein Plus von 9 Mio. Tonnen erwartet). Bei Weizen gehen die Beobachter davon aus, dass das USDA für 2020/21 eine Stagnation der weltweiten Bestände prognostizieren wird. Auch dies würde sich von der Schätzung des IGC abheben, der einen Anstieg um 9 Mio. Tonnen erwartet. Ähnlich wird dagegen die Prognose eines kleinen Überschusses am Sojabohnenmarkt gesehen. In einer Umfrage von Bloomberg erwarten die Teilnehmer, dass das USDA für die US-Maisernte einen massiven Anstieg um 50 Mio. auf fast 400 Mio. Tonnen prognostizieren wird. Ganz ähnlich zur Reuters-Umfrage wird deshalb damit gerechnet, dass das USDA für 2020/21 einen Aufbau der US-Maisbestände um 50% auf den höchsten Stand seit 1988 prognostizieren wird. In der unterschiedlichen Sicht auf die USA dürfte die Haupterklärung für die erwartete Diskrepanz zur IGC-Schätzung liegen. Dieser rechnet für die US-Maisbestände für 2020/21 nämlich nur mit einem halb so starken Anstieg. Es bleibt heute also spannend - und für den US-Maispreis gefährlich, wenn das USDA tatsächlich sehr hohe US-Bestände prognostiziert.

Vor wenigen Tagen hat die brasilianische Prognosebehörde Conab in ihrer ersten offiziellen Schätzung für die Saison 2020/21 die Zuckerrohrernte des Landes auf 630,7 Mio. Tonnen geschätzt, knapp 2% unter Vorjahr. Dies resultiert aus niedrigeren Erträgen und einer marginal kleineren Fläche. Dennoch soll viel mehr Zucker als 2019/20 produziert werden. Conab erwartet ein Plus von 18,5% auf landesweit 35,3 Mio. Tonnen (Hauptanbaugebiet Center-South ebenfalls +18,5% auf 31,85 Mio. Tonnen). Denn ein sehr viel höherer Anteil des Zuckerrohrs als in den Vorjahren wird der Produktion von Zucker zugeführt. In den beiden letzten Jahren flossen rund 65% des Zuckerrohrs in die Herstellung von Ethanol. Angesichts der niedrigen Preise für Öl, mit dessen Verarbeitungsprodukten Ethanol als Treibstoff konkurriert, dürfte dieser Anteil 2020/21 weniger als 58% betragen und die Ethanolproduktion aus Zuckerrohr um 14% sinken. Entsprechend steigt der Anteil, der in die Zuckerproduktion fließt, dann auf rund 42%. Dies gilt auch für CS alleine (41,5%), das für über 90% der Zuckerrohrproduktion Brasiliens steht. Während sich in diesem Bericht Covid-19 nur als Faktor für den globalen Preisverfall an den Öl- und in der Folge auch den Ethanol- und Zuckermärkten findet, sind die brasilianischen Kaffeeproduzenten unmittelbar betroffen. Die Ernte 2020/21 läuft bereits und insbesondere das Pflücken der hochwertigen Arabica-Sorten erfordert einen hohen Anteil an Handarbeit. Brasilien ist das Schwellenland mit den zweitmeisten Corona-Infektionen und die bisherige Beherbergung von Erntearbeitern ist kaum vereinbar mit den notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln. Auch in anderen südamerikanischen Kaffeeanbauregionen könnte es deswegen zu Verzögerungen bei der Ernte kommen. In einer von Reuters zitierten Umfrage in Peru, Ecuador und Kolumbien befürchten die befragten Produzenten Einbußen von bis zu 10% bei der Menge hochwertiger Exportware. Meldungen wie diese stützen in den letzten Tagen den Arabica-Preis.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.