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Wochenrückblick Rohkakaomarkt KW 21/2020

Die Kurse am Londoner Terminmarkt ICE haben sich in der vergangenen Handelswoche nach unten bewegt und blieben darüber hinaus in einer engen Preisspanne von GBP 51,-- (London ICE, zweite Handelsposition: GBP 1.862,-- höchster Kurs, GBP 1.811-- niedrigster Kurs).

Basierend auf dem durchschnittlichen Niveau der Schlusskurse beider Wochen (KW 20/2020: GBP 1.916,-- <> KW 21/2020: GBP 1.844,--) haben sich die Notierungen um 3,76 % abgeschwächt.

Auf der Währungsseite kann der Euro gegenüber dem Brit. Pfund in dieser Woche durchschnittlich im Vergleich zur Vorwoche deutlich zulegen. (0,8909 < > 0,8979).

Eines braucht der Devisenmarkt derzeit so gar nicht: Brexit-Risiken. Die Nachrichten, die uns von den Verhandlungen zwischen britischer Regierung und EU erreichen, klingen (mal wieder) gar nicht gut. Jede Seite wirft der anderen vor, die Absichtserklärungen, die in der politischen Deklaration zum Brexit-Abkommen geäußert wurden, nicht einzuhalten. Und deshalb droht mal wieder ein Scheitern. Die Verhandlungsrunde, die am Freitag offiziell endete, lieferte zumindest keine Ergebnisse, die diese Angst zerstreuen könnten.

Klar, man mag optimistisch darauf setzen, dass es so ja stets lief in den letzten Jahren: Trotz viel Tamtam ließen es beide Seiten nicht zum Äußersten kommen, sondern verschoben Deadlines und/oder waren schließlich doch kompromissbereit. Einiges ist diesmal freilich anders:

Die politische Struktur in der britischen Regierung ist eine andere. Während des größten Teils der Brexit-Deal-Verhandlungen musste die Regierung stets Rücksicht auf eine gespaltene Tory-Fraktion nehmen. Jetzt können die Brexit-Hardliner durchregieren.

So wichtig der Brexit-Deal war, er regelte vor allem verfahrenstechnische Fragen. Erst jetzt muss "Butter bei die Fische". Erst in diesen Verhandlungen geht's wirklich um die langfristigen Beziehungen zwischen Großbritannien und Europa. Da ist der Raum für Kompromisse geringer.

Die Härte der britischen Seite beängstigt mehr als früher, weil sie zeigt, wie stur die britischen Hardliner an ihrer Strategie festhalten – unbeeindruckt davon, dass Corona und die Folgen jeglichen Brexit-bedingten ökonomischen Stress momentan als potenziell desaströs erscheinen lassen.

Man muss nicht den Worst Case (ein Scheitern der Verhandlungen schon zur Jahresmitte) als das wahrscheinlichste Szenario betrachten. Wieder gilt, was schon in der Phase der Brexit-Deal-Verhandlungen galt: Ein Scheitern oder ein extrem fauler Kompromiss sind zumindest so wahrscheinlich, dass er von allen, die GBP-Exposure halten (müssen), nicht ignoriert werden kann. Daher gibt das Pfund nach. Und da – wenn überhaupt – ein Kompromiss typischerweise erst in letzter Minute zu erwarten ist, dürfte es auch in den nächsten Tagen und Wochen nicht besser ums Pfund stehen. Eher schlechter.

Der Euro hat am Freitag spürbar nachgegeben. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung etwa 1,09 US-Dollar und damit gut einen halben Cent weniger als im frühen Handel. Zeitweise war der Euro sogar unter die Marke von 1,09 Dollar gefallen, im Tief wurden 1,0888 Dollar erreicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0904 (Donnerstag 1,1000) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9171 (0,9091) Euro.

Auslöser der Euro-Schwäche war ein auf breiter Front stärkerer US-Dollar. Die amerikanische Währung profitierte von ihrem Status als weltweite Reservewährung, die in unsicheren Zeiten verstärkt nachgefragt wird. Belastet wurde die Marktstimmung durch Wachstumssorgen um China. Zum Auftakt der Jahrestagung des Volkskongresses verzichtete die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt erstmals seit langem auf die Benennung eines Wachstumsziels für dieses Jahr. Regierungschef Li Keqiang verwies auf hohen Unsicherheit wegen der Corona-Pandemie. Ökonomen erwarten, dass China in diesem Jahr allenfalls halb so stark wächst wie in den vergangenen Jahren.

Darüber hinaus belasten Spannungen zwischen den USA und China. Die beiden Wirtschaftsmächte weisen sich gegenseitig die Schuld an der Corona-Pandemie zu. Darüber hinaus sorgen Pläne Chinas für Verstimmung, mit einem neuen Sicherheitsgesetz stark in die Gesetzgebung der Sonderverwaltungszone Hongkong einzugreifen. Die USA drohen mit einer scharfen Antwort, falls China Hongkongs Sonderstatus antasten sollte. Hongkong gehört seit gut zwei Jahrzehnten zu China, verfügt allerdings aufgrund seiner langjährigen Zugehörigkeit zu Großbritannien über zahlreiche Sonderrechte.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,89563 (0,89943) britische Pfund, 117,26 (118,42) japanische Yen und 1,0591 (1,0628) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 1735 Dollar gehandelt. Das waren gut acht Dollar mehr als am Vortag.

Und was war sonst noch wichtig in den Märkten für Agrarrohstoffe ?

Die USA zeigen sich offiziell zufrieden mit dem Grad der Erfüllung des Phase-1-Abkommens durch China. Zum einen hatte China in den letzten Wochen endlich signifikante Käufe von Sojabohnen getätigt, dem „klassischen“ Importprodukt aus den USA. Zum anderen hat China seine Liste der US-Produkte erweitert, die nach China eingeführt werden dürfen – etwa um Gerste und Blaubeeren – oder wie im Falle von Fleisch weitere US-Produktionsstätten in die Liste zugelassener Lieferanten aufgenommen. Auch der chinesische Premierminister Li Keqiang äußerte vor wenigen Stunden während der Eröffnung des diesjährigen Volkskongresses, dass China mit den USA gemeinsam an der Umsetzung des Abkommens arbeiten werde. Diese positiven Töne können aber nicht überdecken, dass sich gleichzeitig der Konflikt zwischen den beiden Ländern über die Schuldfrage in der Corona-Krise und Chinas Hongkong-Politik verschärft. Chinesische Offizielle ließen verlauten, das Land werde vor einer erneuten Eskalation nicht zurückschrecken. Das US-chinesische Streitpotenzial wird also weiterhin die Entwicklung an den Agrarmärkten überschatten. Der Preis für Sojabohnen etwa gab gestern um 1,4% auf 835 US-Cent je Scheffel nach und notiert auch heute Morgen im negativen Bereich. Der Maispreis schloss in den letzten Tagen ebenfalls jeweils leicht im Minus. Der Weizenpreis konnte sich dagegen behaupten. Wegen des anhaltenden Regendefizits in wichtigen Anbaugebieten in Europa, aber auch in Teilen der USA, legte er in den letzten Tagen zu, gestern um 3,5% auf 518,75 US-Cent je Scheffel. Dazu dürfte beigetragen haben, dass das russische Beratungsunternehmen IKAR seine Schätzung für die russische Weizenernte 2020/21 um 1 Mio. Tonnen auf 76,2 Mio. Tonnen reduziert hat. Dies ist nicht die erste Kürzung und dürfte auch nicht die letzte sein. Wahrscheinlich wird in der kommenden Woche auch der Internationale Getreiderat seine aktuelle Schätzung von 79 Mio. Tonnen nach unten korrigieren müssen.

China hat inzwischen mehrfach betont, seine Lagerbestände an wichtigen Agrarprodukten aufstocken zu wollen, nicht zuletzt, um während einer eventuellen zweiten Corona-Welle gegen Unterbrechungen der Lieferketten gewappnet zu sein. Es fordert sowohl staatliche als auch private Handels- und Verarbeitungsfirmen auf, ihre Lager zu füllen. Dies geschieht nicht zuletzt mit Blick auf Brasilien, wo sich das Coronavirus stark ausbreitet. Derzeit kommen noch viele Ladungen Sojabohnen aus Brasilien an. Diese hatten sich verzögert, weil es zunächst wegen Starkregens zu Ernteverzögerungen und dann wegen der Corona-Krise zu Schwierigkeiten bei Transport und Verladung gekommen war. Mit den zunehmenden Käufen von US-Sojabohnen, die in den letzten Wochen bekannt wurden, kann China also Versorgungsengpässen vorbeugen und gleichzeitig seinen Verpflichtungen aus dem Phase-1-Abkommen mit den USA nachkommen.

Die Prognoseeinheit MARS der EU-Kommission hat die Ertragserwartungen bei fast allen Produkten gesenkt. Dies gilt vor allem für Winterweizen und -gerste sowie für Raps, bei dem gegenüber April ein Schnitt von 6% angesetzt wurde. Während MARS bei den genannten Produkten vor einem Monat noch von leicht überdurchschnittlichen Erträgen ausging, werden sie nun darunter erwartet – im Fall von Weichweizen nur marginal, bei Raps immerhin um 4%. Gegenüber 2019/20 dürfte ein Rückgang um 5% bei Weichweizen und um 4% bei Raps zu Buche stehen – bei starken regionalen Unterschieden. Hohe Temperaturen und Trockenheit in vielen westlichen und östlichen Gebieten der EU machen den Pflanzen zu schaffen. Im April war erst gegen Ende des Monats Niederschlag gefallen und auch dieser blieb regional begrenzt. Zu den betroffenen Regionen gehören Nord- und Ostdeutschland, ebenso wie Teile Frankreichs, Polens und Rumäniens. Für die Sommerfrüchte äußert sich MARS zuversichtlicher, allerdings unter der Bedingung, dass sich die Feuchtigkeitsversorgung rasch verbessert.

Die chinesische Importnachfrage nach Baumwolle dürfte sich nach Ansicht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA 2020/21 auf das Niveau von vor der Coronakrise erholen. Auch andere Länder wie Pakistan und Bangladesch sollen wieder mehr importieren. Davon dürften die USA profitieren, nachdem die Coronakrise und die eingeschränkten Handelsbeziehungen zu China in der laufenden Saison dämpfend auf die Exporte wirkten. Für alle wichtigen Anbauländer prognostiziert das USDA 2020/21 einen Rückgang der Produktion gegenüber Vorjahr, wenn auch meist moderat. In den USA etwa sollen nach 19,9 Mio. Ballen 2019/20 nun 19,5 Mio. Ballen produziert werden. Das kleine Minus resultiert dabei aus einem etwas höheren Anteil der vor der Ernte aufgegebenen Fläche, der letztes Jahr leicht unterdurchschnittlich war. Etwas stärker prognostiziert das USDA die Ernterückgänge in China und Brasilien mit je 1 Mio. Ballen und in Indien mit 2 Mio. Ballen. Die Weltproduktion soll daher leicht unter Vorjahr liegen. Die Nachfrage dagegen dürfte sich erholen, wenn auch das Vorkrisenniveau noch nicht ganz erreichen. Dies führt dazu, dass der globale Überschuss von rund 17 Mio. Ballen aus 2019/20 in der nächsten Saison auf nur rund 2 Mio. Ballen zusammenschrumpft, ohne China auf 4,4 Mio. Ballen. Die Aufstockung der Reserven außerhalb Chinas setzt sich somit fort. Allerdings fällt das globale Lager-Verbrauchs-Verhältnis, weil die Nachfrage zulegt. In der letzten Berichtswoche lagen die US-Baumwollexporte zwar unter der Vorwoche, aber 50% über dem Durchschnitt der vier Wochen zuvor. Die Hoffnung auf eine anziehende Nachfrage im Rahmen einer weltwirtschaftlichen Erholung nach der Coronakrise hat dem Baumwollpreis bereits in den letzten Wochen Auftrieb gegeben. Anfang April war er unter 50 US-Cent je Pfund gerutscht und hatte ein 12-Jahrestief markiert. Inzwischen konnte er um rund 20% zulegen.

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