Image

Wochenrückblick Rohkakaomarkt KW 26/2020

Die Kurse am Londoner Terminmarkt ICE haben sich in der vergangenen Handelswoche wieder etwas befestigt und blieben darüber hinaus in einer Preisspanne von GBP 107,-- (London ICE, zweite Handelsposition: GBP 1.767,-- höchster Kurs, GBP 1.660,-- niedrigster Kurs).

Basierend auf dem durchschnittlichen Niveau der Schlusskurse beider Wochen (KW 26/2020: GBP 1.711,-- <> KW 25/2020: GBP 1.693,--) haben sich die Notierungen um 1,06 % befestigt.

Auf der Währungsseite kann der Euro gegenüber dem Brit. Pfund in dieser Woche durchschnittlich im Vergleich zur Vorwoche wieder zulegen. (0,9029 < > 0,9098).

Der Euro hat am Freitag seit dem Start des Aktienhandels an der Wall Street auf Berg- und Talfahrt gegangen. Zeitweise fiel er unter die Marke von 1,12 US-Dollar und erholte sich dann bis auf 1,1238 Dollar. Rund eine Stunde vor dem Handelsschluss am US-Aktienmarkt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1226 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs im Frankfurter Handel auf 1,1213 (Donnerstag: 1,1200) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8918 (0,8929) Euro.

Mit rund 40 000 gemeldeten Fällen erreichte die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA am Donnerstag einen neuen Höchststand. Damit ist der bisherige Rekordwert von rund 36 400 Neuinfektionen vom 24. April überstiegen, wie aus Zahlen der John-Hopkins-Universität hervorgeht. Noch vor zwei Wochen lagen die täglich gemeldeten Infektionszahlen bei etwas mehr als der Hälfte des Wertes vom Donnerstag.

In Phasen der Unsicherheit flüchte viele Anleger in den Dollar als Weltleitwährung, auch wenn die Ursache in den USA liegt. Angesichts der dramatischen Entwicklung planen einige US-Bundesstaaten, angekündigte Lockerungen vorerst nicht umzusetzen, was die wirtschaftliche Erholung des Landes erschweren könnte.

Und was war sonst noch wichtig in den Märkten für Agrarrohstoffe ?

Der Internationale Getreiderat IGC hat seine Schätzung für die weltweite Weizenernte 2020/21 den zweiten Monat in Folge um 2 Mio. Tonnen angehoben. Er erwartet nun 768 Mio. Tonnen, das sind 6 Mio. Tonnen mehr als der bisherige Rekord von 2019/20. Die Hälfte der neuerlichen Anhebung entfällt auf China. Bei den Exportländern wird ein Plus bei Australien und den USA von einem Minus bei der EU von über 3 Mio. Tonnen wettgemacht. In der EU-27 sollen nur 128,4 Mio. Tonnen Weizen produziert werden. Die EU-Kommission, die gestern ebenfalls neue Schätzungen veröffentlichte, machte bei Weichweizen sogar einen Schnitt von 4 Mio. Tonnen auf 117,2 Mio. Tonnen (-10% gg. Vj.) und liegt auch bei seiner Angabe für Weizen insgesamt mit 124,5 Mio. Tonnen noch deutlich unter dem IGC. Der IGC geht für 2020/21 zwar unverändert von einem Überschuss am globalen Weizenmarkt von 16 Mio. Tonnen aus, erwartet aber bei den großen Exporteuren nur einen marginalen Anstieg der Bestände. In den beiden Vorjahren waren diese um zusammen fast 20 Mio. Tonnen gesunken. Das heißt, aus der eigentlich prognostizierten Wiederaufstockung dürfte nichts werden. Umgekehrt ist es bei Mais, wo der IGC trotz einer nochmaligen Anhebung der Produktionsprognose ein weiteres, wenn auch mit 3 Mio. Tonnen nur kleines Defizit erwartet, bei den Exporteuren aber einen kräftigen Anstieg der Bestände prognostiziert. Dieser geht weitgehend auf die USA zurück, wo eine Rekordernte erwartet wird. Allerdings bleibt der IGC bei seiner Prognose einer US-Ernte von 393 Mio. Tonnen und liegt damit weiterhin deutlich unter dem US-Landwirtschaftsministerium mit 406 Mio. Tonnen. Am Sojabohnenmarkt nahm der IGC für 2020/21 nur marginale Änderungen vor. Er erwartet eine globale Rekordernte, die aber nicht verhindern kann, dass nach dem beachtlichen Defizit 2019/20 der Markt in der kommenden Saison nur etwa ausgeglichen sein soll. Denn bei der Nachfrage wird ein kräftiges Plus erwartet.

In der nächsten Woche wird sich zeigen, wieviel Flächen die US-Landwirte in diesem Jahr mit Mais und Sojabohnen bestellt haben. Da sich im Frühjahr Sojabohnen in Relation zu Mais verteuerten, ist es wahrscheinlich, dass das USDA eine etwas größere tatsächliche Sojabohnenfläche berichtet als die 83,5 Mio. Morgen, die US-Landwirte im März laut einer Umfrage geplant hatten. Wahrscheinlicher sind 85 Mio. Morgen. Dagegen dürfte die Maisfläche etwas kleiner sein als die zunächst geplanten 97 Mio. Morgen. Bleibt es bei der höheren Maisfläche, würde dies weiteren Druck auf den Maispreis ausüben. Dieser gab in den letzten Tagen bereits wegen der guten Witterung und verbesserter Pflanzenbewertungen nach. In der vorletzten Berichtswoche hatte das USDA den Markt mit einer Kürzung des Anteils der mit gut oder sehr gut bewerteten Pflanzen um 4 Prozentpunkte aufgeschreckt. In der letzten Woche hob sie ihn dann aber zumindest wieder um einen Punkt auf 72% an. Da auch für die nächsten Tage im Mittleren Westen Niederschläge und moderate Temperaturen angesagt sind, bleiben die Ertragsaussichten bei Mais und auch bei Sojabohnen günstig. Gleichzeitig drückt die auf vielen Märkten wieder stärker grassierende Angst vor neuerlichen Corona-Einschränkungen auch auf die Laune an den Agrarmärkten. Niedrigere Ölpreise etwa ziehen wegen ihres Einflusses auf die Ethanolpreise insbesondere den Maispreis in Mitleidenschaft. Am Weizenmarkt kommt derzeit der klassische Erntedruck hinzu, nachdem bereits rund ein Drittel der US-Winterweizenernte eingebracht ist und das USDA auch hier in der letzten Woche einen verbesserten Pflanzenzustand attestierte. Der Weizenpreis in Paris schloss gestern unverändert, war allerdings am Vortag – zusätzlich belastet durch einen stärker notierenden Euro – auf ein 3-Monatstief von 177 EUR je Tonne gefallen.

Im April und Mai unterlagen die Aktivitäten in den meisten Ländern den strengsten Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Diese werden nun in vielen Regionen graduell gelockert. Die Welthandelsorganisation WTO ist daher zuversichtlich, dass der Welthandel im zweiten Quartal seinen Tiefpunkt erreicht hat. Sie schätzt das Minus gegenüber dem Vorjahresquartal auf 18,5%. Damit würden Wachstumsraten des Handels von 2,5% in den beiden nächsten Quartalen ausreichen, um für das Gesamtjahr 2020 das im April von der WTO durchgespielte optimistische Szenario von -13% zu erreichen (im pessimistischen Szenario prognostiziert die WTO ein Minus von 32%). Im ersten Quartal war die Handelstätigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 3% gesunken. Der Erholungspfad ist aber noch unklar und die WTO warnt – wie unsere Volkswirte – davor, sich auf eine rasche V-förmige Erholung zu verlassen. Dies ist auch für den Agrarsektor der EU von hoher Bedeutung, denn laut Eurostat machten Agrarprodukte 2019 immerhin 8% des gesamten EU-27-Warenhandels (ohne Intra-Handel) aus.Eine entscheidende Rolle spielt dabei, wo welche fiskalischen, monetären und handelspolitischen Maßnahmen aufgesetzt werden und wie diese wirken. Dabei geht die WTO davon aus, dass der Handel etwas weniger stark auf Änderungen in der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit reagiert als in anderen Krisen, da sich ein Großteil der besonders starken Einbrüche auf nicht-handelbare Dienstleistungen wie etwa das Gastgewerbe konzentrierte. Dagegen waren andere Sektoren, insbesondere Elektronik, deutlich weniger betroffen. Hinzu kommt die Möglichkeit eines erneuten Aufflammens der Pandemie, was Prognosen ebenfalls erschwert. Apropos Aufflammen: Auch die „alten“ Gefahren wie der US-chinesische Handelsstreit sind nicht ausgestanden. Daran erinnerte Anfang der Woche die – wenn auch von schnellem Dementi gefolgte – Aussage des US-Handelsberaters Navarro, wonach der US-chinesische Handelsdeal vorbei („over“) sei.

Der Kakaopreis an der Börse in New York im Kontrakt mit Fälligkeit September musste in den letzten Tagen kräftig Federn lassen und notierte zuletzt unter 2.300 USD je Tonne und damit nur noch rund 50 USD über dem Tief nach dem Corona-bedingten Absturz im März. Letzte Woche hatte er einmal sogar nur 10 USD darüber geschlossen. In London markierte der Kakaopreis sogar ein 1-Jahrestief. Auf den Preisen lastet die Befürchtung, durch die Corona-bedingten Einschränkungen und dem damit einhergehenden Einbruch der Weltwirtschaft könnte die Nachfrage nach Kakao auch längerfristig leiden. Händler rechnen zudem damit, dass der ab der kommenden Saison bei Käufen in der Elfenbeinküste und Ghana zu zahlende Aufschlag auf den Börsenpreis von 400 USD je Tonne die Nachfrageentwicklung zusätzlich dämpfen wird. Das sogenannte LID (Living-Income-Differential) soll die Lebensbedingungen der dortigen Kakaoproduzenten verbessern helfen. Ungünstige Witterung in Westafrika mit zu wenig Regen hatte in den letzten Monaten immer wieder preisstützend gewirkt. In den letzten Wochen ist nun mehr Regen gefallen, wodurch sich nicht nur die Erwartungen an die laufende Zwischenernte, sondern auch der Ausblick für 2020/21 verbessert hat. Da hilft auch kaum, dass die Internationale Kakaoorganisation ICCO für die im September zu Ende gehende Saison 2019/20 mit einem kleinen Angebotsdefizit rechnet. Da sie neben dem Angebot wegen der Corona-Krise auch ihre Nachfrageprognose nach unten angepasst hat, soll das Lager-Verbrauchs-Verhältnis gegenüber dem Vorjahr nämlich weniger sinken als zunächst erwartet.

Die auch in Frankreich üppigeren Niederschläge haben dort zumindest für eine Stabilisierung des Zustands der Weizenpflanzen gesorgt. Diese hatten stark unter dem zu trockenen Frühjahr gelitten. Wie in den beiden Vorwochen attestiert die Französische Agrarbehörde FranceAgriMer aktuell 56% der Weizenpflanzen einen guten oder sehr guten Zustand. Das sind deutlich weniger als die 80% zur gleichen Zeit des Vorjahres und die schlechteste Bewertung seit 2011. So rechnet denn auch die EU-Kommission im EU-weit größten Weizenanbauland nach der sehr hohen Ernte 2019 von fast 40 Mio. Tonnen in diesem Jahr allenfalls mit 32 Mio. Tonnen. Doch obwohl auch für die EU als Ganze eine deutlich niedrigere Ernte erwartet wird, ist der Weizenpreis in Paris im Juni um rund 10 EUR auf 180 EUR je Tonne gefallen. Er wurde nicht zuletzt vom US-Markt gedrückt, wo der Erntebeginn mit teils überraschend guten Ertragsmeldungen und die Aussicht auf eine weltweite Rekordernte die Preisentwicklung belasten. Dass sich zunehmend Skepsis über die weitere Preisentwicklung breitmacht, spiegelt auch die Positionierung der kurzfristig orientierten Marktteilnehmer an der Börse in Chicago wider. Bei Weizen hatten sie seit Herbst letzten Jahres bis auf wenige Ausnahmen Netto-Long-Positionen gehalten. Vor rund einem Monat jedoch drehten sie ihre Positionierung in netto-short und bauten diese in den letzten Wochen aus. Bei Mais dagegen zeigten sie sich in der letzten Berichtswoche etwas optimistischer. Allerdings hatten ihre Netto-Short-Positionen in der Vorwoche mit rund 300 Tsd. Kontrakten auch ein Niveau erreicht, das zuvor lediglich im April 2019 überschritten worden war.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.